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Lebensraum Solnhofener Lagune

 

Die Schichten der Solnhofener Plattenkalke, entstanden in einer Zeit, als in Süddeutschland noch ein ganz anderes Klima herrschte. Das Ausgangsmaterial der heutigen Gesteine war ursprünglich ein Kalkschlamm, der sich am Boden der Lagunen, in sog. Wannen, schichtweise ablagerte. Über die Jahrmillionen hinweg „versteinerten“ diese Schichten durch Mineralgenese zu ihrem heutigen bekannten Aussehen.

Während des Oberen Jura vor ca. 146 Mio. Jahren, zur Zeit der Sedimentablagerung, lag das Gebiet um Solnhofen viel weiter südlich als heute. Mit einer geographischen Breite von 25 – 30°N entspräche dies heute der Lage der Kanarischen Inseln. Durch diese äquatornahe Position im subtropischen Klimagürtel der Erde, ist es auch nicht verwunderlich, dass die damaligen Wassertemperaturen um die 26°C lagen und damit vergleichbar mit Temperaturen heutiger tropischer Gewässer sind. Durch das Fehlen vereister Polkappen zu jener Zeit, ist zudem davon auszugehen, dass das Klima weltweit viel wärmer und ausgeglichener war und es somit auch keinen richtigen Jahreszeitenwechsel gab.

Lage von Solnhofen zur Jura Zeit
Lage der Solnhofener Lagune zur Zeit des Oberjuras - verändert nach Wellnhofer (2008)

 

Diese Rahmenbedingungen ermöglichten für eine Vielzahl von Organismen ideale Lebensbedingungen. Jedoch trifft dies nicht zu 100% auf den Lebensraum der Solnhofener Lagune zu. Durch ihre geschützte Lage, die durch Riffstotzen von anderen Lagunen sowie größtenteils auch vom offenen Meer, der Tethys, getrennt war, wurde ein größerer Wasseraustausch verhindert. Dieser Umstand, sowie das heiße, semi-aride Klima, führten zu einer erhöhten Verdunstungsrate im Bereich der Plattenkalk-Wanne. Dieser Effekt hatte zur Folge, dass es innerhalb der Wassersäule zu einer sogenannten Stockwerksbildung kam. Somit bildete sich in den tieferen Bereichen der Wanne eine hypersaline und sauerstoffarme bis sauerstofffreie Zone. In der gut durchlüfteten und weniger salzhaltigen Oberflächenzone hingegen, fanden Organismen mit planktonischer und nektonischer (freischwimmender) Lebensweise beste Bedingungen vor.

Von Zeit zu Zeit transportierten Monsunwinde aus Süd- bis Südosten frisches Meerwasser aus der Tethys über die Riffplattform und durchmischten somit die Wassersäule innerhalb der Plattenkalk-Wanne. Das aufgewirbelte anoxische Bodenwasser führte zum Tod vieler Lebewesen aus der oberen Zone, die zusammen mit verfrachteten Bodenbewohnern benachbarter Riffareale absanken und schnell durch den herab rieselnden Kalkschlamm eingebettet wurden. Durch Starkregenereignisse wurden zudem noch Pflanzenreste sowie Tierleichen von nicht allzu weit entfernten Festländern oder Inseln eingeschwemmt. Fliegende Insekten, Flugsaurier und wohl auch die Urvögel wurden während solchen Schlechtwetterperioden aus ihren eigentlichen Lebensraum über die Lagunen hinaus aufs offene Gewässer geweht, wo sie schließlich ertranken und ebenfalls am Wannenboden abgelagert wurden.

Somit vereinen die Solnhofener Plattenkalke eine einzigartige Grabgemeinschaft von Fossilien aus verschiedenen Arealen rings um die Lagune. Die rasche Einbettung im feinem Kalkschlamm und das fehlen jedwedem Bodenlebens ermöglichten die phantastische Fossilerhaltung.

 
 
 
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